Volksmarine Projekt 68.200 - Hydra/Wiesel Projekt 63.300 - Iltis Projekt 131.400 - Libelle 6. Flottille / Dranske - Bug
Home Reservisten der 7. / 9. LTSB Winter 1978 / 1979 Werkfoto's Projekt 131.4 Stralsund / Parow
Quelle: Schiffe und Boote der Volksmarine der DDR, Manfred Röseberg; Ingo Koch Verlag Rostock

 

 

 

Kleines Torpedoschnellboot Projekt 131.4; Typ LIBELLE                                      

taktisch - technische Daten

DN = 30,8 Tonnen;      Tiefgang = 1,74 Meter
Lüa = 18,96 Meter;      Büa = 4,42 Meter
3 Dieselmotoren M 50 F   (je 1200 PS)
Vmax = 48 Kn    (88,896 Km / h)
Reichweite = ca. 200 sm   (ca. 370 Km)
Bewaffnung:1x 23 2 mm; 2x Torpedo 533 mm
2 x Minen oder 16 Kampfschwimmer
Besatzung: (Kommandant, Motorenmeister, Elektro-Gast, Artillerie-Gast, Steuermann [Navigation],

 

 

 

 

Im Zusammenhang mit einem vorgesehenem Nachfolgeprojekt für die vorhandenen LTS – Boote Projekt 63 und Projekt 68 griff die Volksmarine zum wiederholten Mal die Problematik „Tragflügelboot“ auf.
Da die UdSSR aber eine Zusammenarbeit und Informationen über das seit 1964 in ihrem Bestand befindliches Tragflügelboot Typ „PCHELA“ ablehnte, erarbeitete die Volksmarine Operativ – taktische Forderungen für ein „Kleines Schnellboot“ als Gleitboot.
Es sollte die wesentlichen Kampfeigenschaften der Vorgänger in sich vereinen, aber Verbesserungen im Aktionsradius, in der Seetüchtigkeit, der funkelektronischen Ausrüstung und zusätzlich eine leichte Arie - Bewaffnung zur Selbstverteidigung erhalten.
Die neue Bezeichnung „Kleines Schnellboot“ führte die Volksmarine ein, da das Boot größer werden sollte, als die LTS – Boote Projekt 63 und Projekt 68.
Anfangs trug es die Bezeichnung „Kleines Mehrzweckboot KMS - 55 mit den wechselnden Projektnummer 117, 126 und 128, wofür unterschiedliche Antriebsvarianten geprüft wurden. Hierfür kamen die Dieselmotoren DM 503 A und DM M 50 infrage, auch wurden Mischvarianten z.B. 1 x DM 503 A und 2 x DM M 50 geprüft.
Nach Übergang auf die endgültige Ausführung mit 3 x DM M 50 F erhielt es die Projektnummer 131.
Bootskörper und Deckshaus wurden wieder aus Aluminium in vollgeschweißter Ausführung gefertigt. Die Torpedorohre waren im Bootskörper eingelassen, nur der hintere Teil war kurz über der Wasserlinie sichtbar, der Ausstoß der Torpedos erfolgte wieder nach achtern.
Seitlich neben dem Deckshaus war auf beiden Seiten ein Minenausstoßrohr für Minen „UDM“ montiert. Diese konnten im Bedarfsfall gegen eine Sitzreihe mit Persenningabdeckung ausgetauscht werden.
Nach missglückten Versuchen mit einem 14 mm sMG bzw. einem 12,7 mm MG auf dem Vorschiff, (Ari – Gast freistehend an Oberdeck bei Geschwindigkeiten bis zu 50 Kn), wurde auf eine für diesen Bootstyp modifizierte Variante eines 23 mm Geschützes der Landstreitkräfte zurückgegriffen. Die Anordnung erfolgte auf dem Heck, sie war mit einem extra entwickeltem Wind – und Spritzwasserschutz ausgerüstet.
Es wurde festgelegt, dass 3 Versuchsboote 131.1 – 131.3 und danach unter Berücksichtigung der Ergebnisse der technischen Erprobung 30 Serienboote 131.400 zu fertigen sind.
1972 / 1973 absolvierten die Versuchsboote erfolgreich ihre technische Erprobung.
Vor Beginn der Serienproduktion entschied die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Schiffbau, die Fertigung des Bootskörpers nach Rechlin zu verlegen, anschließend auf dem Landweg (> 150 Km) nach Wolgast zu transportieren und in der Peenewerft fertig zustellen.
Der Serienbau in Rechlin begann mit erheblichen Schwierigkeiten, das erste mit vielen Fehlern behaftete Boot wurde durch die Volksmarine als 4 Versuchsboot eingestuft. Es diente bis 1984 als Ausbildungsboot und Versuchsträger für Langzeiterprobungen (Werkstoffe, Motorenlaufzeit u.a.) Die Booten 131.1 – 131.3, wurden nach Abschluss der technischen Erprobung verschrottet.
Der Serienbau verlief nach Beseitigung der Mängel im Zeitraum von 1974 bis 1977 ohne Probleme.

Im November 1972 tagte in Rostock eine Arbeitsgruppe des „Technischen Komitees des Oberkommandos der verbündeten Ostseeflotten“ zum Thema: „Erprobungsergebnisse mit dem „Kleinen Torpedoschnellboot Projekt 131“.
Im Rahmen dieser Tagung erfolgten Vorführungen der Boote 131.1 und 131.2.
Das Boot wurde zwar als gelungen Entwicklung eingeschätzt, aber keiner der anwesenden Flotten meldete Bedarf an.

Im Februar forderte die Volksmarine, eine zusätzliche Modifikation der Projektes 131 als Tropenvariante zu untersuchen, da der Irak sich für ein Kleines Schnellboot aus DDR – Produktion interessierte. Die Peenewerft erarbeitet dazu eine Realisierungsstudie als Projekt 13.5, lehnte aber in ihren Ausarbeitungen eine solche Variante wegen nicht tropenfester Ausrüstungsteile aus UdSSR – Importen sowie der zu erwartenden Kühlwasserprobleme für die Motoren ab. Die Volksmarine verzichtete auf weitere Aktivitäten.

Auch die Lieferung eines Musterbootes und der Baudokumentation an Kuba scheiterte an unterschiedlichen Preisvorstellungen, die Verhandlungen dazu wurden 1977 ergebnislos abgebrochen.

Ab 1984 begann die planmäßige Außerdienststellung und Verschrottung.
Nach erfolgter „Demilitarisierung für museale Zwecke“ durch die Bundeswehr erfolgte die Übergabe der Boote:
- 131.408 (924) an das Marinemuseum Stralsund Dänholm
- 131.410 (925) an das Wissenschaftliche Institut für Schifffahrts- und
   Marinegeschichte Hamburg ( Museum Tamm), jetzt Luftfahrttechnisches Museum Rechlin
- 131.426 (961) an das Militärhistorische Museum der Bundeswehr Dresden
- 131.423 (952) wurde vor dem Traditionsschiff in Rostock - Schmarl aufgestellt, jetzt Deutsches Marinemuseum  Wilhelmshaven.
Die Boote 131.408 und 131.410 waren bis zum 02.10.1990 in Dienst.

Im April 1986 sank nach einer schweren Kollision mit einem Raketenschnellboot Projekt 206 vor Hiddensee das Boot 131.421, Bordnummer "951"es wurde nach erfolgter Bergung am 30.06.1986 verschrottet.
Bei dieser Kollision verlor ein Besatzungsmitglied sein Leben.

 

Nachfolgeprojekt für KTS - Boote Projekt 131.4

Anfang der 80er Jahre war allgemein die Zeit der Torpedoschnellboote abgelaufen. Aber noch 1977 hatten Arbeiten zur Weiterentwicklung der LTS - KTS - Boote begonnen, für die in der DDR technische Voraussetzungen und Erfahrungen vorlagen. Die Peenewerft Wolgast beschäftigte sich mit Möglichkeiten für den Bau eines Kleinen Torpedoschnellbootes "Projekt 141" unter Beibehaltung der Torpedobewaffnung, aber mit moderner Ausrüstung. Das Institut für Schiffbautechnik Warnemünde (IST) untersuchte gleichzeitig die Ausrüstung eines 30 t - Bootes mit Raketenbewaffnung als "Projekt 141 R". Die Projektnummer entsprach nicht der Reihenfolge, sondern sollte auf den Zusammenhang mit den KTS - Booten "Projekt 131" aufmerksam machen.
Die UdSSR war bereit, die Entwicklung eines mit Raketen bestückten Kleinen Schnellbootes zu unterstützen. Sie übergab einen "technischen Vorschlag" an die DDR. Dieser enthielt die bildliche Darstellung eines Bootes mit Dn = 74 t;
Bewaffnung:
30 mm Geschütz (Zwilling) mit optischem Visier ohne Waffenleitanlage
2 Seezielraketen P 21/22/SS-N-II (u. a. Bewaffnung des Kleinen Raketenschiff "Projekt 1241 RÄ, Tarantul", ab Oktober 1984 im Bestand der Volksmarine)
Daraufhin stellte die Peenewerft Wolgast alle Arbeiten an der Torpedovariante ein. Das Institut für Schiffbautechnik Warnemünde legte Januar 1979 auf der Grundlage des sowjetischen Vorschlages eine Studie für ein Raketen Torpedo Schnellboot "Projekt 141" vor, die Bewaffnung war um 2 Torpedo erweitert worden. Der Charakter des Kleinen Schnellbootes mit Dn = 80,8 t blieb erhalten.
Zwei 1979 in Leningrad durchgeführte Konsultationen brachten niederschmetternde Ergebnisse:
Die angegebenen Motoren M 520 und das 30 mm Leichtbaugeschütz waren seitens der UdSSR nicht lieferbar, Masse - und Raumangaben zur Raketenbewaffnung und zu spezieller Ausrüstung entsprach nicht den aus dem sowjetischen Vorschlag entnommenen Werten (nicht angegebene aber unbedingt notwendige Peripheriegeräte), die vorgeschlagene Bewaffnung und Ausrüstung war nicht in dem konzipierten Raketen Torpedo Schnellboot (RTS - Boot) "Projekt 141 R" unterzubringen. Um die Entwicklung eines Kleinen Raketenschnellbootes mit einem Normaldeplacement < 100 t trotzdem realisieren zu können, entwickelte man die Idee, die Hauptbewaffnung für See - und Luftzielbekämpfung getrennt auf zwei gleichen Booten, Projekt 141.1 und 141.2, unterzubringen.
Kleines Raketenschnellboot, KRS - Boot "Projekt 141.1:
2 x Seezielraketen P 21 / 22 mit Waffenleitanlage Harpun / Koralle,
1 x Fla - Raketenwerfer FASTA mit 4 Raketen Strela M,
1 x 23 mm Geschütz ZU - 23 (30 mm Zwillingsgeschütz mit hoher Feuerrate ohne Waffenleitanlage wurde abgelehnt)
2 x Torpedo 533 mm
Kleines Artillerieschnellboot, KAS - Boot "Projekt 141.2:
2 x 30 mm Geschütz A 213 (Revolverkanone) mit Waffenleitanlage MR 123,
2 x Torpedo 533 mm, - 6 x Minenausstoßanlage (wie Projekt 131), oder Transportvariante für 24 Kampfschwimmer.
Diese "Not - / Verzweifelungslösung" wurde bereits im Entwicklungsstadium der Studie abgebrochen. Die eigentliche Zielstellung Weiterentwicklung der Linie Kleine Schnellboote und Bau eigener effektiver Raketenträger für die Volksmarine konnte somit nicht gelöst werden.